Sonntag, 2. Juni 2013

T's Weinblog proudly presents...

Wieder einmal haben Stuart Pigott und ich gemeinsam etwas auf die Beine gestellt. Viele haben es ja mitbekommen, unter anderem habe ich hier und auf Facebook berichtet: Ende März/Anfang April war ich im Wonnegau im Weinbaugebiet Rheinhessen bei namhaften Winzern wie Keller, Dreissigacker, Wittmann und Winter um deren neuen Jahrgang zu verkosten. Außerdem suchte ich Antworten auf die Frage was den Wonnegau so besonders macht für den Weinbau. Doch diese Tätigkeiten führte ich auch bei eher weniger bekannten, dafür aber nicht weniger guten und genialen Weingütern aus. Weingüter, wie Weinreich, Spiess oder Helmut Geil, leider (wahrscheinlich) alles Namen, die nicht so viel Präsenz wie die anderen aufweisen...
Doch, dass das Ganze mit Unterstützung Stuart Pigotts vonstatten ging wusste niemand!

Meine Ergebnisse werden in vier Teilen vorgestellt, den Anfang mach etwas gesondert ein kleiner Praktikumsbericht von letztem Jahr beim Weingut Helmut Geil. Veröffentlicht werden die Artikel ausschließlich auf der Seite Stuart Pigotts (http://www.stuartpigott.de/), ich werde aber natürlich in jeder Rubrik in der Sidebar verlinken! ☻
Sobald ein neuer Artikel von mir online ist werde ich euch natürlich benachrichtigen!

Ich möchte Stuart Pigott noch einmal besonders dafür, dass er mit dieser Idee auf mich zugekommen ist. Die zwei Wochen im Wonnegau haben mir sehr viel Spaß gemacht und auch die Arbeit an den Texten war interessant und spannend. Danke auch für solch eine Chance und die Veröffentlichung auf der eigenen Seite!

Aber jetzt genug geschwafelt! Hier der Link zum ersten Text...

Freitag, 31. Mai 2013

Weinrallye #63 - Anbaustopp


Als ich vor etwa drei Jahren mit dem Wein angefangen habe, da war mir nicht im geringsten bewusst, dass es Anbaugebiete gab. Klar, ich las auf der einen Flasche Pfalz, auf der anderen Mosel. Auf wieder einer anderen stand Rheinhessen. Es dauerte so ungefähr ein halbes Jahr, bis ich mal ein Buch in die Hände bekam, dass die Weinbauregionen und -nationen behandelte. Überrascht schaute ich auf die Karte und kratzte mich am Hinterkopf. "Seit einem halben Jahr beschäftige ich mich nun mit Wein, lese und trinke. Und jetzt erst merke ich, dass Wein ja gar nicht überall wächst", dachte ich mir. Für mich war nicht klar, dass die Rebe gewisse Ansprüche an Boden, Ausrichtung und Klima stellte. Wenn ich heute daran zurückdenke komme ich mir ziemlich naiv vor!
Für mich war damit die Idee von Wein außerhalb deklarierter Anbaugebiete erst einmal gestorben. Munter trank ich weiter Gewächse aus Franken, von der Saar, und so weiter und so fort. Doch zufällig stieß ich dann im Internet mal auf einen Artikel über Hobbywinzer. Winzer, die ais reiner Passion nebenberuflich bzw. in ihrer Freiziet Wein anbauten und kelterten. Freilich, sie durften ihren Wein nicht verkaufen, aber für sie war der Verdienst (anscheinend) nicht so wichtig. Die Flaschen dienten hauptsächlich für den Eigengebrauch oder als Geschenk für Freunde und Verwandte. Die Sache sprach mich sofort an, tapfere Leute, dachte ich mir. Ich selbst hatte neben der Schule schon Probleme meine 2 Reben im Garten zu pflegen. Und diese Passionierten hatten eine Menge mehr zu tun! Davor zog und ziehe ich meinen Hut. Noch dazu waren viele dieser Pflanzungen ja außerhalb der Anbaugebiete beheimatet.

Auch in meinem Heimatstädtchen Heilsbronn traf ich auf solch einen Fall, aber dazu gleich noch mehr, erst einmal etwas historisches. 1132 gründete einer der Abenberger Fürsten das Zisterzienserkloster Heilsbronn (damals wurde der Ort von Haholdesbrunn in Halsbrunn umbenannt). Aufgrund des Klosters erhielt der Ort auch einen lateinischen Namen, fons salutis (Brunnen des Heils). Nachdem die "Stadt" viele Jahre unter Schutz der Hohenzollern und Markgrafen von Ansbach stand, war sie ab 1791 unter preußischer Herrschaft. Des öfteren bekam der Ort Besuch vom deutschen  Kaiser, was der Abtei viele Schenkungen wie zum Beispiel Weinberge in Main-Spessart einbrachte.
Doch auch hier in der Region war der Weinbau weit verbreitet, wie Straßennamen à la "Am Rebenzaun" (Heilsbronn) oder "Am Rebstock" in Roßtal und Schwabach beweisen. In der Gegend wurde früher also durchaus Wein angebaut. Dass es jedoch heute noch der Fall ist, das wusste ich nicht.
Ich arbeitete damals noch in dem Laden, in dem mich die Liebe zum Wein überrannt hat! ☻
Eines Tages kam der Chef mit einer komisch anmutenden Flasche daher. Keine Etiketten, einzig und allein ein weißes S zierte die Flasche. "Ist von einem Freund hier aus Heilsbronn. Er hatte ein gutes Jahr und somit genug Flaschen gefüllt, dass auch für mich eine übrig blieb!".

Wenn es um Sachen Wein ging, so waren wir aber Männer der Tat. Und deswegen dauerte es nicht lange, bis die Flasche entkorkt und der Inhalt im Glas war. Und da standen wir vor dem ersten Problem: Was war es denn? Weiß oder rot? Die Farbe glich dem rot-rosanen Ton von Garnelen, vielleicht auch Lachs. Egal, nicht beirren lassen, trinken! Ich roch daran und hatte wirklich einen ganzen Früchtekorb im Glas, wobei es sich passenderweise um heimische Früchte handelte: Apfel, Quitte, Birne. Der Wein baute eine ungeheime Spannung auf. Ich freute mich auf den Eindruck am Gaumen und nahm einen Schluck. Mich schüttelte es von Kopf bis Fuß. Der Wein, so schön er sich auch in der Nase verkaufte, war nicht gerade als Gaumenschmaus zu bezeichnen. Er war unheimlich sauer und bitter zugleich, so bitter, dass von den Aromen nichts mehr zu erkennen wahr. Mit viel Anstrengung glaubte ich, die Quitte zu erahnen. Ich war enttäuscht! Der Wein hatte einen so guten Anfang gemacht und war dann doch so abgestürzt. Aber das ist eine der schlechten Erfahrungen, die man machen kann. Davon darf man sich aber nicht beirren lassen, die muss man abhaken und dann weiter machen.



Deswegen auch mein Appell:
Es gab schon vor Deklarierung der Anbaugebiete andere Gegenden in denen Wein kultiviert wurde. Warum sollte das da heute nicht auch klappen. Es braucht nicht immer einen Steilhang und Südausrichtung!
Außerdem haben wir einen Bonus durch den Klimawandel. Lagen, die jahrzehntelang in Vergessenheit geraten sind, nur nebenbei mit bewirtschaftet wurden erleben heute eine wahre Renaissance. Warum sollen sich durch den Klimawandel nicht auch ganz neue Regionen für den Weinbau erschließen?
Ich habe, bevor ich diesen Artikel hier verfasst habe den Beitrag von meinem Blogger-Kollegen Dirk Würtz zu diesem Thema, dieser Weinrallye mit Interesse gelesen und muss ihm in allen seinen Punkten zustimmen. Muss Wein außerhalb der offiziellen Anbaugebiete wirklich etwas schlechtes sein? Schaffen wir uns mit dem Anbaustopp möglicherweise selber ab?
Ich habe schlechte Erfahrungen mit einem Wein von außerhalb der Anbaugebiete gemacht, das ist richtig. Schlechte Erfahrungen hatte ich aber auch schon mit einem Châteauneuf-du-Pape, mit Chardonnay aus Neuseeland, mit Weinen aus der Pfalz, Baden, Rheinhessen, Franken, von der Mosel, Italien, ...

Gastgeber dieser Weinrallye ist Sebastian Holey von "Weinbau&Oenologie", einem toll aufgemachten Weinblog mit wissenschaftlichem Bezug, Lesetipp von mir!
Die Beiträge der anderen Teilnehmer der Weinrallye werden wie gewöhnlich in einer Zusammenfassung auch auf "Weinbau&Oenologie" verfügbar sein.

Montag, 18. März 2013

Liebfrauenmilch, das Werk des Teufels - ein Erklärungsversuch

Viele kennen es, dieses süße, ja fast schon pappige Getränk, das ziemlich banal wirkt und einfach nur übertrieben süß schmeckt... Die Rede ist von der allseits bekannten Liebfrauenmilch. Von überall dringen Stimmen an mein Ohr, die diese Weine als Ausgeburt der Hölle verschreien. Zu Recht!

Etwa ab 1980 verkümmerte die Liebfrauenmilch zu einem Wein von vielen in den untersten Regalen des Supermarkts, dafür aber in rauen Mengen. Der Typus und das Schicksal dieses Produkts wurde in der ganzen Welt und gar im Inland zum Bild für Wein aus Rheinhessen und die Pfalz, wenn nicht gar den gesamten deutschen Weißwein. Außerdem war es auch ein Synonym für das Geschmacksbild einer breiten deutschen Bevölkerungsschicht, die nicht minder zu der Katastrophe beigetragen hat. Nichts gegen das Geschmacksbild, aber den kleinstmöglichen Preis dafür zahlen zu wollen, ist dann nicht gerade angebracht! Guter Wein hat einfach seinen Preis! Aber die LBM musste süß sein und spottbillig. Das Angebot wird bestimmt durch die Nachfrage, die einfachste Regel in der Wirtschaft. Der Kunde ist König. Und der König bekommt, was der König wünscht! Aber weiter im Text...
Rheinhessen und die Pfalz fielen in eine wahre Krise. Niemand konnte sich mehr vorstellen, dass aus diesen beiden Weinbaugebeiten noch ernst zu nehmende Weine kommen konnten. Begriffe wie die "Süßpfalz" machen heute noch die Runde, ja, schwirren gar in meinem Gedächtnis herum (und ich habe diese Epoche ja glücklicherweise gar nicht miterlebt!).
Aber: 
Dieser Dreikäsehoch hat doch gerade gesagt, dass die LBM (Liebfrauenmilch auszuschreiben tut irgendwann weh!) einen Absturz erfuhr... Soll das etwa bedeuten, dass dieses Gesöff vor der Krise bessere Zeiten erlebt hat? Ja, hat es!




Vor der begrifflichen Verunglimpfung der LBM war dieser Wein nämlich nichts anderes als ein limitierter Wein mit einer bestimmten Herkunft. Gewachsen sind die Trauben dieses Weins in den Weinbergen rund um die Liebfrauenkirche in Worms, Rheinhessen. Aber nicht nur das, es wurde noch strenger gehandelt (wie so ziemlich alles andere damals um 1750 herum): Es durften nämlich nur die Trauben in die Produktion der Liebfrauenmilch fließen, die im Schatten der Kirche wuchsen. Und wir meckern über heutige Bürokatie und Regelungen in Deutschland. Ein Weinhandelshaus kaufte nach und nach nahezu alle Weinberge um die Kirche auf und führte dann im Jahre 1909 die Marke "Liebfrauenmilch Madonna" ein, um sich vor Nachahmern zu schützen.
Ziemlich viel offizielles Trara um solch ein unliebsames Getränk, oder nicht?
Es kommt noch besser! Es wurde nämlich auch noch genau festgelegt, was rein darf. Die LBM muss nämlich zu mindestens 70% aus einer der weißen Sorten Riesling, Silvaner, Kerner, Müller-Thurgau oder Bacchus bestehen. Der Restzucker darf nicht unter 18g/l betragen.

Mein Fazit:
Wie in anderen Bereichen, in denen Geld fließt, wurde im Weinbusiness ein einfacher Trick angewandt: Nachahmung guter und erfolgreicher Ideen. Ganz einfach! Der Bereich, der für den Bezug von Trauben für die LBM hergezogen wurde (früher ja nur die Weinberge um die Kirche herum), ist auf die Pfalz, den Rheingau und die Nahe ausgedehnt worden. Die Ortsgebundenheit, einer der Faktoren, der diesen Wein so besonders gemacht hat, fiel also gänzlich weg. Überall und durch jeden wurde Liebfrauenmilch produziert. Plagiate also... Diese konnten aufgrund der zahlreichen Stückzahlen und den geringeren Fertigungskosten (aufgrund minderwertiger Materialien) auch billiger verkauft werden. Übertragen in die Weinbranche heißt das: Weniger und leichtere Arbeit in Keller und Weinberg, sprich rein konventioneller und nur gewinnorientierter Anbau mit dem Hauptaugenmerk auf Masse.
Genau das ist es, was der LBM widerfahren ist! Das Motto "Geiz ist geil" hat aus der Liebfrauenmilch das gemacht, was sie ist! Eine übertrieben süße, banale Einheitsplörre! Nichts, dass es wert wäre, damit seine Zeit zu verschwenden! Auch Rheinhessen und die Pfalz, beides heute Beispiele für wegweisende Anbaugebiete mit sehr tollen (auch trockenen!!!!) Weinen, haben es nicht verdient in einem Atemzug mit LBM genannt zu werden! Basta!

PS: Ein interessanter Artikel zur Liebfrauenmilch wurde übrigens auch in der FAZ veröffentlicht! Das war zwar schon 2008, aber der Artikel ist trotzdem noch klasse!

Freitag, 15. März 2013

Sonderabfüllung... Was ist das eigentlich?

Bei der aktuellen Verkostung habe ich ja keinen normalen Wein des Guts getrunken, sondern eine Sonderabfüllung. Aber was ist das eigentlich?

Ich könnte hier jetzt ohne Probleme einen theoretischen Text eintippen, der informativ genug und nicht zu langwierig ist, dass er langweilig wirkt. Aber ich persönlich finde das praxisbezogene Beispiel besser, von daher werde ich das jetzt einfach mal so machen!


Wie hier auf dem Etikett zu sehen ist, war dieser Tropfen nicht ein normaler Wein des Guts, sondern eine "Super-Sonder-Special-Deluxe-Edition" für Koessler&Ulbricht, sprich K&U - Die Weinhalle. Man erlebt das, wenn man sich bei Martin Koessler im Online-Shop oder auch im Laden umsieht immer mal wieder. Da steht der Wein und dann ist da aber noch ein Zusatz auf dem Etikett. Meistens beinhaltet der Zusatz das Wort "Sonderabfüllung" oder "edition" und eine Fassnummer.
Das ist ja schön und gut, aber was bedeutet das jetzt eigentlich?
Das bedeutet, dass Martin Koessler, noch bevor die Weine auf die Flasche gezogen werden ins Weingut kommt und verkostet. Er verkostet und verkostet und verkostet. Und sticht ihm dabei ein Wein besonders ins Auge (im Sinne von gefallen natürlich, blind wird man davon nicht!), dann kommt es schon einmal vor, dass er ein Fass dieses Weins kauft und es unter leicht verändertem Etikett (meist eben mit dem Zusatz der Sonderabfülluing für K&U und der Fassnummer) exklusiv für sich abfüllen lässt.
Das ist eigentlich schon der ganze Zauber!
Dieser Praxis bedienen sich natürlich aber nicht nur Weinhändler. Nein, auch Firmen machen so etwas manchmal!
Bei Weinändlern gefällt es mir aber einfach besser. Vor allem der Martin Koessler hat ein gutes Gespür für das richtige Fass und zaubert somit immer wieder tolle Sondereditionen!

Montag, 25. Februar 2013

103 Jahre VDP...


Viele kennen ihn, viele schätzen ihn. Den Traubenadler des VDP. Er prangt den Flaschenhals jedes VDP-Weinguts. Doch was ist der VDP? Und was macht er?
103 Jahre ist er nun alt, der VDP, der "Verband Deutscher Prädikatsweingüter". 2010 hatte er sein Jubiläum. Doch da gab es meinen Blog ja noch gar nicht. Deswegen rufe ich hiermit nach 3 Jahren die große After-Show Party ins Leben... Ich hoffe, man möge Nachsicht mit mir haben!
Schaut man sich die Seite des VDP an, so gäben die Informationen Stoff für ein ganzes Buch, doch da ich nur blogge, werde ich das alles etwas kürzen. Ich werde die für mich wichtigen Fakten herausarbeiten und hoffe, dass sie für euch genau so wichtig sind!

1910 wurde der VDP als "Verband Deutscher Naturweinversteigerer e.V." gegründet. Interessanter Name, klingt zur heutigen Zeit ziemlich untypisch und unsinnig. Aber: Man muss wissen, dass der Begriff der Naturweine von damals etwa dem der Prädikatsweine von heute entspricht! Damals bezeichnete man sie aber als "naturreine Weine", da einige Winzer das Prädikat zu ihren Gunsten (z.B. zur Absatzförderung) zu nutzen, bzw. zu missbrauchen, ohne die erforderlichen Leistungen zu bringen. Also doch nicht so dumm, dieser Verband!
1926 erfolgte dann die Eintragung ins Vereinsregister, 1934 die Angliederung an den "Reichsnährstand". Ziele des Verbandes waren es, sowohl die Regeln für die Versteigerungen sowie deren Termine festzulegen, Ausstellungen im In- und Ausland abzuhalten als auch alle anderen, den Weinabsatz betreffenden Fragen zu klären. Außerdem fand ein Erfahrungsaustausch in Sachen Weinanbau und -behandlung statt.
Während des Zweiten Weltkriegs konnte der Verband seine Arbeit nicht verrichten. Verständlicherweise!
Nach Kriegsende kam dann 1949 mit dem neuen 1. Vorsitzenden Dr. Albert Bürklin auch eine neue Satzung, die demokratisch gestaltet wurde. Danach kristallisierte sich der "VDN" als eine Art Bauaufsicht heraus. Die Mitgliedsweingüter wurden "überwacht", Richtlinien festgelegt und Ratschläge gegeben. Zum Beispiel wurde die Rebsortenwahl um eines nachhaltigen Weinbaus Willen empfohlen. Zur Sorgfalt bei der Weinbergspflege wurde auch aufgerufen. Generell also vorteilhaft.

1971 erfolgte dann die Namensänderung in "Verband Deutscher Prädikatswein-Versteigerer", kurz "VDPV". Dies geschah, weil das neue Weingesetz den Begriff des "naturreinen Weins" oder des "Naturweins" als Irreführung des Verbrauchers betitelte.
Ab 1982 dann mussten alle Mitgliedsbetriebe das Verbandszeichen führen, ab 1990 sogar auf den Flaschen. Nach und nach kamen neue Satzungsänderungen hinzu, die alle mehr oder weniger einen gemeinsamen Zweck verfolgten: strengere Kontrollen für mehr Qualität. Dies zeigte sich bei der Erntemengenregulierung, Reglements für die Mostgewichte oder auch Vermarktungsstrategien, usw.
1994 folgt dann die "Garantie der Handlese ab Prädikatsstufe Auslese". Eine ganz wichtige Sache wie ich finde! Doch ein wahrer und weit anerkannter Meilenstein folgt 1996. Es handelt sich um das VDP-Manifet. Ziel dieses Manifests ist es, das Weinkulturerbe zu sichern.
Im neuen Millenium, nämlich 2000 folgt dann die bis heute letzte Namensänderung in "Verband Deutscher Prädikatsweingüter", kurz VDP.
Der letzte für mich wichtige Punkt auf der Timeline des VDP war 2002 die Einführung des dreistufigen Klassifikationssystems für Weine. Die Grundlage bilden Guts- und Ortweine. Danach folgen klassifizierte Lagenweine. Den krönenden Abschluss bilden die "Ersten-" oder auch "Großen Gewächse".

Ausgeliehen vom Weingut Bathasar Ress


Und genau wegen dieser Klassifikation war der VDP erst letztens sehr präsent. Man wollte sich den Begriff "GG" (für "Großes Gewächs") nämlich schützen lassen... Fazit: Der Bundesgerichtshof lehnte ab...
Man könnte jetzt natürlich eine Diskussion zu dem Thema breit treten. Ist aber alles schon passiert, da habe ich es verpasst, auf den Zug aufzuspringen. Damit ist die Sache dann auch gegessen und es geht weiter!

Nun zu ein paar wenigen Fakten. Die Wissenschaft hat ja herausgefunden, dass zu viele Zahlen sehr anstrengend zum Lesen sind. Eine Erklärung dafür, dass ich Mathematik nicht leiden kann. Deswegen gibt es auch nur ein paar:

  • Der VDP umfasst mittlerweile 197 Weingüter aller Anbaugebiete
  • Bei ca. 2,6% der deutschen Weinmenge haben die VDP-Winzer 5% der deutschen Rebfläche inne
    • Dabei machen sie aber 8% des Umsatzes an deutschem Wein
  • Das durchschnittliche VDP-Weingut ist 25 ha groß und füllt 165.000 Flaschen pro Jahr
  • Auch noch interessant: 55% der "VDP-Rebfläche" sind mit Riesling bepflanzt (ist doch super für mich! ☻)
    • Das wiederum macht 12 % der deutschen Rielingfläche oder 7% der Welt-Rieslingsfläche aus
  • Die Vermarktung findet zu 50% direkt an Endverbraucher statt
  • Die 197 Mitglieder machen einen jährlichen Umsatz von 270 Mio. €
Viel mehr möchte ich euch zu dem Thema vorerst gar nicht erzählen. Wie es so schön heißt: "Wissen kann man sich nicht erlesen, das muss man sich ertrinken!". Von diesem Standpunkt aus rate ich euch also lieber, die Weine der VDP-Winzer zu trinken, statt auf mehr Infos meinerseits zu hoffen! Es lohnt sich. Der VDP und seine Winzer haben nicht umsonst den Ruf, den sie haben. Ich möchte Weine mit einem Traubenadler auf der Flasche natürlich nicht über alles andere stellen! Es gibt viele tolle Winzer, die nicht im VDP sind, dort vielleicht gar nicht hinein wollen und die trotzdem überragende Weine machen. Trotzdem sind der VDP und seine Winzer eigentlich immer ohne schlechtes Gewissen zu empfehlen! In diesem Sinne Prost!


Mittwoch, 30. Januar 2013

"Sämling 88" - Was zum Teufel ist das?

Einige werden es wissen, andere können es sich wahrscheinlich denken... Hier handelt es sich um eine Rebsorte. Sie hat viele Namen (z.B. "Dr. Wagnerrebe", "S 88" oder einfach nur "88"), doch der hierzulande bekannteste ist "Scheurebe". Eine der, wie ich finde, interessantesten Rebsorten in Deutschland, die nicht nur einen ziemlich breiten Geschmack bedient sondern auch nicht unbedingt großartige, aber auf jeden Fall große Weine hervorbringen kann. Ich mag diese Rebsorte ganz besonders aus einem einfachen Grund: Sie schmeckt mir, ganz einfach! Natürlich gibt es auch schlechte Exemplare davon, aber das kann dann schon wieder teilweise am Winzer liegen und diesen Faktor wollen wir hier mal ganz außen vor lassen!

Deswegen kommen hier jetzt ein paar knallharte Infos zur Scheurebe:
1916 wurde die Scheurebe an der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey (das liegt übrigens in meinem Lieblingsanbaugebiet Rheinhessen) von Georg Scheu gezüchtet. Gekreuzt wurde sie aus Silvaner und Riesling, manche Quellen im Internet oder auch Autoren sagen Riesling x unbekannte Wildrebe. 
Die Sorte steht seit 1956 auf der Sortenliste und ist somit geschützt. Die derzeitige Anbaufläche in Deutschland beträgt etwa 1.800 ha (von ca. 100.000 ha, die es in Deutschland insgesamt an Rebfläche gibt), 1.000 ha davon in Rheinhessen, 500 ha in der Pfalz. Die anderen 300 Hektar verteilen sich jeweils zur Hälfte auf die Nahe und die restlichen Weinbaugebiete. In Österreich wird die Sorte, die dort "Sämling 88" heißt vereinzelt angebaut.

Copyright ÖWM / Faber
In der freien Natur erkennt man sie an den mittelgroßen, meist fünflappigen Blättern. Ähnlich der Rebsorte Kerner bleiben die Blätter bis spät in den Herbst dunkelgrün. Die Trauben sind mittelgroß und dicht behangen, die Beeren mittelgroß und gelbgrün. Jetzt höre ich schon einige Skeptiker sagen: "Dicht behangene Trauben. Also eine Sorte, die nur auf Ertrag aus ist!". Meine Antwort: "Ja und Nein! Sicherlich war eines der Ziele, die mit der Züchtung verfolgt wurden den Charakter des Riesling mit dem Wuchs des Silvaners zu kombinieren. Doch diese Rebsorte ist keinesfalls die pure "Beerengeburtsmaschine". Wie bei vielen anderen Rebsorten auch kommt es auf den Winzer an (wollte ich diesen Faktor nicht eigentlich ausschließen?). Arbeitet der Winzer richtig, so können aus der Scheurebe wirklich große Weine entstehen, die, angebaut auf guten Lagen sogar Aussicht auf einen tollen Dessertwein haben! 
Wie schmecken Weine, die aus der Scheurebe gekeltert wurden?
Wie die schmecken? Das verrate ich euch doch nicht! Das müsst ihr schon selber herausfinden, also einfach mal eine Flasche besorgen (am besten gleich eine, die sicher von einem guten Winzer kommt. Schon um die 6-7 € gibt's da echt geile Weine!) und einfach drauf lostrinken, wenn man Lust hat. Denn: Scheurebe geht immer! :-)